Sort de documënt: Documënt
Titul:
Lëtra dl vësco Gasser
Descriziun: Regest: Moling Sepl (*1934)
Lëtra dl vësco Vinzenz (Gasser) a siur curat
Hochwürdiger Herr Kurat! Ich trete morgen meine Römerreise (?) an, auch erinnere ich mich lebhafter als je an das alte Sprüchlein: “Wenn der Mensch ausgeht, weiß er nicht, wohin er kommt”. Die Reise in die Fremde kann nur zu leicht eine Reise in die Ewigkeit werden. Darum kann ich vom Hause nicht weggehen, so lange ich weiß, dass jemand etwas gegen mich habe und das umso weniger, wenn dieser Jemand der Hochwürdige Herr Kurat von Wengen ist, dem ich noch bei jeder Gelegenheit die unzweideutigsten Beweise der aufrichtigsten Hochachtung gegeben habe. Ich komme deshalb auf Ihr Schreiben vom 8. Mai.
Ich glaube annehmen zu dürfen, dass Sie manches, was in diesem Schreiben enthalten ist, nun mit ruhigerem Blute beurteilen werden als dies in der ersten Aufregung unter dem ersten Eindrucke meines Schreibens vom 27. April d.J. geschehen ist.
Zur Sache kommend muss ich vor allem bemerken, dass ich die Notizen des eben zitierten Schreibens nicht von den Piderschen geschöpft habe. Ich habe in dieser Angelegenheit mit der Piderschen am wenigsten etwas zu tun. Was ich ungenannten Erlasse schrieb, hatte ich von zwei Männern, auf deren Glaubwürdigkeit ich mich vollkommen verlassen zu können glaubte.
Was mich am tiefsten schmerzte und was mich zum Vorwurfe, dass Sie den Kirchenbau mit unlauteren Mitteln betreiben, veranlasste, stellt sich um nach der von Euer Hochwürden Herrn Kurat gegebenen Aufklärung freilich in einem wesentlich anderen Lichte dar. Ich glaube Ihnen aufs Wort, und nehme darum auch meinen Vorwurf von Herzen gerne zurück. Ich kann mir nun auch ganz leicht erklären, wie sich das Gerücht verbreiten konnte, Sie hätten die Baurenitenten (Widersacher) für öffentliche Sünder erklärt und für sie öffentliche Gebete angestellt. Denn wenn Sie die Andacht vom 23. Dez. v. J. nicht im allgemeinen für die Erhaltung und Bewahrung der Eintracht in der Gemeinde bei diesem Unternehmen, sondern mit der speziellen Verkündigung: “Sollte jedoch ein hartes Herz sein, das sich nicht einigen will, um Uneinigkeit und Unfrieden zu stiften, so wolle es Gott auf das Gebet hin erweichen, abgehalten haben, so wird der Volkswitz schon für das weitere gesorgt und dieser Verkündigung die Deutung gegeben haben, als seien die Renitenten Leute eines harten Herzens, die sich nicht einigen wollen, die auf Unfriede und Uneinigkeit ausgehen, kurz, öffentliche Sünder, für die man öffentlich gebetet habe.
Nachdem ich meinen Vorwurf Ihnen gegenüber zurückgenommen habe, halte ich es nun für meine Pflicht, ein Wort zur Ehrenrettung eines Mannes zu schreiben, der meines Erachtens in allem als Ehrenmann gehandelt hat. Es ist dies der Vorsteher Colz. Er ist sich immer gleich geblieben. Es findet sich von ihm keine andere Äußerung in allen Akten als: Als Privatmann habe ich nicht gegen die Kirchenversetzung und werde auch das Meinige leisten; allein als Gemeindevorsteher kann ich dafür nicht einstehen und mich nicht dafür aussprechen.”
Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der diese Instruktion (?) nicht begreiflich findet und sie etwa nur für eine Maske der Falschheit hält.
Ich schließe nun mit der Versicherung der aufrichtigsten Hochachtung, womit ich … (verbleibe) Euer Hochwürden, Herr Kurat, ergebenster Diener Vinzenz Gasser, Episkopus (=Bischof)
Brixen, den 19. Juni 1867
Gerarchia: A-1059/034
Lëtra dl vësco Vinzenz (Gasser) a siur curat
Hochwürdiger Herr Kurat! Ich trete morgen meine Römerreise (?) an, auch erinnere ich mich lebhafter als je an das alte Sprüchlein: “Wenn der Mensch ausgeht, weiß er nicht, wohin er kommt”. Die Reise in die Fremde kann nur zu leicht eine Reise in die Ewigkeit werden. Darum kann ich vom Hause nicht weggehen, so lange ich weiß, dass jemand etwas gegen mich habe und das umso weniger, wenn dieser Jemand der Hochwürdige Herr Kurat von Wengen ist, dem ich noch bei jeder Gelegenheit die unzweideutigsten Beweise der aufrichtigsten Hochachtung gegeben habe. Ich komme deshalb auf Ihr Schreiben vom 8. Mai.
Ich glaube annehmen zu dürfen, dass Sie manches, was in diesem Schreiben enthalten ist, nun mit ruhigerem Blute beurteilen werden als dies in der ersten Aufregung unter dem ersten Eindrucke meines Schreibens vom 27. April d.J. geschehen ist.
Zur Sache kommend muss ich vor allem bemerken, dass ich die Notizen des eben zitierten Schreibens nicht von den Piderschen geschöpft habe. Ich habe in dieser Angelegenheit mit der Piderschen am wenigsten etwas zu tun. Was ich ungenannten Erlasse schrieb, hatte ich von zwei Männern, auf deren Glaubwürdigkeit ich mich vollkommen verlassen zu können glaubte.
Was mich am tiefsten schmerzte und was mich zum Vorwurfe, dass Sie den Kirchenbau mit unlauteren Mitteln betreiben, veranlasste, stellt sich um nach der von Euer Hochwürden Herrn Kurat gegebenen Aufklärung freilich in einem wesentlich anderen Lichte dar. Ich glaube Ihnen aufs Wort, und nehme darum auch meinen Vorwurf von Herzen gerne zurück. Ich kann mir nun auch ganz leicht erklären, wie sich das Gerücht verbreiten konnte, Sie hätten die Baurenitenten (Widersacher) für öffentliche Sünder erklärt und für sie öffentliche Gebete angestellt. Denn wenn Sie die Andacht vom 23. Dez. v. J. nicht im allgemeinen für die Erhaltung und Bewahrung der Eintracht in der Gemeinde bei diesem Unternehmen, sondern mit der speziellen Verkündigung: “Sollte jedoch ein hartes Herz sein, das sich nicht einigen will, um Uneinigkeit und Unfrieden zu stiften, so wolle es Gott auf das Gebet hin erweichen, abgehalten haben, so wird der Volkswitz schon für das weitere gesorgt und dieser Verkündigung die Deutung gegeben haben, als seien die Renitenten Leute eines harten Herzens, die sich nicht einigen wollen, die auf Unfriede und Uneinigkeit ausgehen, kurz, öffentliche Sünder, für die man öffentlich gebetet habe.
Nachdem ich meinen Vorwurf Ihnen gegenüber zurückgenommen habe, halte ich es nun für meine Pflicht, ein Wort zur Ehrenrettung eines Mannes zu schreiben, der meines Erachtens in allem als Ehrenmann gehandelt hat. Es ist dies der Vorsteher Colz. Er ist sich immer gleich geblieben. Es findet sich von ihm keine andere Äußerung in allen Akten als: Als Privatmann habe ich nicht gegen die Kirchenversetzung und werde auch das Meinige leisten; allein als Gemeindevorsteher kann ich dafür nicht einstehen und mich nicht dafür aussprechen.”
Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der diese Instruktion (?) nicht begreiflich findet und sie etwa nur für eine Maske der Falschheit hält.
Ich schließe nun mit der Versicherung der aufrichtigsten Hochachtung, womit ich … (verbleibe) Euer Hochwürden, Herr Kurat, ergebenster Diener Vinzenz Gasser, Episkopus (=Bischof)
Brixen, den 19. Juni 1867
Gerarchia: A-1059/034
Data: 1867
