Sort de documënt: Documënt
Titul:
Lëtres
Descriziun: Regest: Moling Sepl (*1934)
Lëtres da Desproch
Euer Hochwürden!
a) Gestern abend war ich bei Maler Plattner, um nicht mit ihm bezüglich des Dekorationsplanes der Kirche von Wengen zu besprechen. Es freut ihr sehr, dass Sie den Rat v. Stadls so zu Herzen genommen haben. Plattner erklärt sich bereit, den Plan zu machen und zwar den finanziellen Verhältnissen der Gemeinde entsprechend, d.h. nicht zu reich, sondern so einfach als möglich, damit die Malerei, wenn es dazu kommen sollte, nicht zu viel koste. Über das Thema kann er wohl selbst noch nichts sagen, er gab nur einige allgemeine Winke. Wenn der Kirchenpatron eine bedeutende kirchenhistorische Größe ist, so könne man sein Leben als Ausgangspunkt nehmen und es mit irgendwelchen kath. Wahrheiten verbinden darstellen. Legende beim hl. Genesius wird sich das aber nicht bewerkstelligen lassen u. darum wird er wahrscheinlich irgendeinen dogmatischen Grundgedanken anfronen und ausführen. Dass gerade die Komposition bei Plattner die starke Seite ist weiß jeder, der ihn kennt, dass er gerade dogmatische Wahrheiten echt kirchlich und im Geiste der heiligen Schrift durchführt, ist ebenfalls bekannt. Darum glaube ich schon im voraus Ihnen und den Wengenern gratulieren zu dürfen, so wenig zweifle ich an dem vollständigen Gelingen des Planes.
Gestern bewunderte ich wieder eine seiner Kompositionen. Er hat die Kirche von Dornbirn (Vorarlberg) zum Malen übernommen, Kirchenpatron der heilige Martin. Ein großes Bild stellt die Gründung der Kirche am Pfingstfeste dar, rings herum einzelne Momente aus dem Leben des heiligen Martin geben seine apostolischen Arbeiten an, wie er in seiner Sphäre die Kirche Christi ausgebreitet hat: Anfang und Schluss dieses (Bildes) Zyklus bilden seine Aufnahme als … zum Priester und sein Scheiden aus dieser Welt den Priester an der Seite. Das einzelne Bild und das große Ganze macht einen echt kirchlichen Eindruck.
Es ist mit seinen Vorarbeiten für Dornburn so ziemlich festig, er würde also den Plan für Wengen im Laufe des Winters “wenn ich abends nicht zum Malen, wohl aber zum Kopfen aufgelegt bin” machen. Dazu braucht er den Plan der Kirche, Angabe der Kirchenpatrone auf den einzelnen Altären und dazu
a) wäre es ihm sehr lieb, wenn Sie sich aussprechen würden, was Sie für ein Thema wünschen. Gefällt es ihm, nimmt er es, wenn nicht, negligiert (= außer acht lassen) er es einfach. Man kann ihn übrigens auch wenn der Plan fertig ist, noch verschiedenes kritisieren und aussetzen. “Kritik und Gegner schaden nicht sondern nützen, indem der Plan klarer und durchdachter wird”. Nachdem der Plan fertig ist, wird er entweder selbst denselben dem H. von Stadl vorlegen oder Sie können es tun, so sagt er selbst.
Die Hauptsache kommt erst jetzt. Bezüglich der Bezahlung sagt er, er würde sicher nicht indiskret sein. Von diesem seinem Ausdruck nahm ich Anlass, die finanziellen Verhältnisse in Wengen zu schildern. Nachher sagte er, verlange gar nichts, der Künstler dürfe nicht bloß des Geldes wegen wirken, zumal da die Kirche sehr arm sei. Das Resultat wird also sein: er macht Ihnen den Plan und sie geben ihm ein Trinkgeld. Ich glaube also, Sie sollen diese Gelegenheit benützen, Sie bekommen sicher etwas Gelungenes.
b) Euer Hochwürden! Hiemit übersende ich Ihnen den Dekorationsplan Ihrer Kirche. Plattner hat nur die zwei beiliegenden Skizzen gemacht, damit Sie sich eine Vorstellung des Gemäldes machen. Sie wollen aber durchaus nicht als Kompositionen betrachtet sein; bei den übrigen Bildern, sagt Plattner, sei die Sache so einfach, dass es überflüssig sei, eine Skizze zu machen. Wer es malt, muss ohnedies sich eine einheitliche Komposition machen. Der Plan sagt Plattner, sei von jenen, denen er einiges mitgeteilt, sehr gut aufgenommen worden; er glaubt, der Plan passe für die Kirche, denn große, dramatische, figurenreiche Gemälde vertragen die Kirchen romanischen Stiles nicht, so würde dadurch die Architekturik (sic !) der Kirche zerstört.
Bezüglich der Ausführung habe ich wenig mit ihm gesprochen nur das hat er mir gesagt, dass ein Maler mit einem Dekorationsmaler in einem Jahr das ganze Gemälde dekoriere. Das ganze Gewölbe hätte beiläufig 24 Figuren, nun aber male er in einem Sommer auch 30, wenn er sie im vorhergehenden Winter komponiert hat. Bezüglich der Stationen habe ich noch nichts gesprochen, ich will aber schon sprechen, wenn Sie mit dem Plan einverstanden sind, dass er davon nichts Bedeutendes mehr zu ändern hat. Früher lässt sich mit Plattner schwer reden.
Prüfen Sie also mit aller Andacht den Plan, und wenn Ihnen etwas nicht passen sollte, so würden Sie ingeniert mit der Sprache heraus (kommen). Dem Plattner wäre es sogar lieb, wenn Sie sich vom Ing. von Stadl ein Urteil erbeten würden. ./. Nachdem der Plan von allen Seiten bewilligt, bestätigt, korrigiert sein wird, werde ich mit Plattner bezüglich der Stationen reden. ./. “Ein großartiger Gedanke durch verhältnismäßig geringe figuralische Mittel zum Ausdruck gebracht”, so das Urteil Plattners über den Plan. Schließlich füge ich den Wunsch bei, dass der Plan Ihnen entspreche und dass Sie mit der Zeit denselben auch ausführen können. Die Wengener würden dann ein in jeder Beziehung vollendetes Prachtgebäude haben.
Bildhauer Trenkwalder kam einmal zu Plattner, als ich dort war und wir über den Plan sprachen. Beide Künstler betrachteten den Plan de Kirche und bemerkten wenn die Gemälde ober den Seitenaltären ausgeführt werden sollten, so müssen sie Seitenaltäre ganz einfach sein und anstatt eines Altarbildes eine Statue angebracht werden. Trenkwalder ersucht mich, ich möchte ihn bei Ihnen für den Fall rekommandieren (= empfehlen). Sie könnten sich vielleicht auch diesbezüglich mit von Stadl ins Einvernehmen setzen.
Wir haben dieses Tage das Semester geschlossen und haben nun Ferien bis Mitte April. Echt akademisch! Ladinien floriert! Alles ist gesund und wohlauf. Seit Anfang der Fasten (Zeit) treiben die meisten … Tiroler Reichsratabgeordneten Abstinenz-Politik, sie sind alle hier Kernbach ausgenommen. Dejaco grüßt Sie. Es grüßt Sie und Hernn Costner. Ihr … Josef Mischi
c) Euer Hochwürden! Kaum hatte ich Ihr Schreiben erhalten, so begab ich mich zu Plattner. Die einzige Schwierigkeit, die hiedurch für die Durchführung des Planes aufgetaucht ist, besteht in der Verteilung der Stationen.
Es wäre sehr leicht, noch zwei Vorstellungen ausfindig zu machen, um die Symmetrie in den Kapellen herzustellen (Jesus am Ölberg und Helena mit dem Kreuz), aber es fragt sich, ob die Apostelzeichen zwischen den Stationen wohl nicht eine zu prädominierende Stellung einnehmen. H. Plattner würde sehnlich wünschen, dass man ihm eine Zeichnung schicke, aus welcher er genau die Verteilung, Größe und Sage der Apostelkreuze entnehmen könnte. Der Maurer Joachim kommt am 31.d.M. nach Innsbruck. Sind sie so gütig, durch ihn mir dieses zuzuschicken. Vielleicht wäre Joachim auch in Ermangelung eines Besseren imstande die Sache abzumessen und zu Papier zu bringen. Es handelt sich lediglich um den Umfang der Kreise, ihre Entfernung voneinander und vom Boden der Kirche. Das Bild an der Epistelseite im Presbyterium erleidet eine geringe Abänderung. Über das zweite Feld im Langhause … kann man sich leicht verständigen. Das Zeug für die Vorhänge werden Sie hoffentlich bekommen haben. Ich ging zu Fräulein Maria Linders, sie zeigte mir mehrere Sorten, ich wählte das nach meiner Ansicht Tauglichste und ersuchte sie, alles zu besorgen, wozu sie sich freundlich erbot!
Ob ich es getroffen habe oder nicht, weiß ich nicht. Bezüglich einer Zeichnung der Kanzel glaubt Plattner, man solle sich an Trenkwalder wenden. Sobald Sie entschlossen sind, bitte ich bloß zu schreiben, ich werde dann schon unterhandeln.
Das jüngste Kind des H. Dejako ist schwer krank. Früh glaubten wir, es werde sterben, doch es hat sich wieder ein bisschen erholt.
… der S. St. wurde heute wegen einer Ehrenbeleidigung des Ministers Krehmair vor Gericht zitiert. Ich habe noch nichts gehört, was sich herausgestellt habe. Grüße an H. Costner. Tanti saluti da D. Deiaco.
In liebster Hochachtung Ihr Ergebenster Josef Mischí.
d) Ev. Hochwürden! Sie werden schon lange auf einen Brief warten. Plattner war einige Wochen in Dornbirn, um den Kontakt der Malerei abzuschließen, er kam erst vor einigen Tagen, daher meine Zögerung erklärlich. Bezüglich der Stationen hat er mit zwei Malern gesprochen, die gegenwärtig in Zams arbeiten; sie haben nicht direkt ihm einen Preis gemacht, aber wie er sagt, würden sie 50 – 60 fl per Stück verlangen und die Verpflegung. Auch dem Plattner scheint der Preis hoch. Heuer würden sie nicht Zeit haben, sondern erst das nächste Jahr.
Jetzt will ich Ihnen noch meine Privatansicht mitteilen. Diese zwei Maler sind, wenigstens einer, Lehrlinge Plattners, stehen also unter seiner Ägide, daher ist es begreiflich, dass er sie empfiehlt. Er will damit nicht gesagt haben, dass sie schlecht malen – ich kenne ihre Leistungen nicht – aber nach meiner Ansicht ist die Garantie eine zu geringe. Maler Hellweger empfahl den Klosterfrauen am Hirschanger den Agostin Pezzei für die Stationen. Pezzei malte sie, war sehr teuer, die Arbeit fiel schlecht aus. Die Klosterfrauen mussten sie haben, denn Hellweger sagte, begreiflicherweise, sie seien schön. Der richtige Mann wäre Pernlochner, aber da entsteht eine weitere Schwierigkeit. Ich machte diesen Vorschlag dem Plattner, er sagte mir aber darauf ganz aufrichtig und trocken, das sehe er nicht gerne, denn es sei nicht angenehm, einen Plan auskopfen und einem anderen die Früchte eredlen lassen.
Perathoner sei ganz tüchtig, aber wenn Pernlochner anfängt, dann hätte er keinen Einfluss mehr. Mir hat Plattner dies gesagt, folglich kann ich mit Pernlochner unmöglich verhandeln: wenn Sie einen Modus ausfindig machen, den Plattner in schöner Manier zu umgehen, so könnten Sie Pernlochner noch anfragen. Adresse Pernlochner Maler, Thaur (bei Hall). Sie begreifen nicht, wie unlieb es mir ist, dass solche Schwierigkeiten entstehen, dass sich der ganze Plan zu zerschlagen scheint. Die Drahtmatratze werden Sie erhalten haben, Steiner entschuldigt sich, dass sie per Nachnahme geschickt wurde, es sei ohne sein Vorwissen geschehen.
Die politische Lage ist eine sehr merkwürdige. Der konservative Klub beschloss die Nichtbeschickung. Nachträglich will sich Grenter nicht fügen.
Grenter steht aber nicht allein, mit ihm geht der Verein “Innsbrucks Umgebung” und Landeshauptmann nebst mehreren Größen. Diese Herrn atmen Regierungsluft, denn wie ich heute höre, sind sie: Grenter und Landeshauptmann wöchentllich einmal bei Statthalter eingeladen sapienti sat.
Grüße von Dejaco – Leben Sie wohl – Ich Ergebenster Josef Mischí.
Wegen des Trinkgeldes ist schwer etwas zu sagen. Plattner nimmt alles. Die Arbeit ist mit 20 fl gezahlt, wenn Sie ihm mehr geben, wird er es auch nehmen.
Anfang der nächsten Woche geht er nach Dornbirn ab.
e) Euer Hochwürden! Gestern war ich bei Maler Plattner. Was er mir auf Ihr Schreiben antwortete, ist folgendes. Durch die Feuchtigkeit leiden die Gemälde sicher, nicht einmal gewöhnliche Freskomalerei noch viel weniger Tempera-Malerei. Die Gemälde vom Plattner im hiesigen Friedhof (Kapelle) sind oft so mit Eis überzogen, dass man das Gemälde kaum mehr sieht und doch sind die Gemälde, wenn das Eis wegschmilzt wieder ganz frisch und leiden nicht im mindesten.
Dass Tempera- oder Freskomalerei teurer sei als Ölmalerei ist auch ganz unwichtig. Farbe und Arbeit ist bei beiden gleich, bei Ölgemälden kommt dann noch dazu die Leinwand 4 fl per Stück, der blinde Rahmen 1 fl, der eigentliche Rahmen, der immerhin auf 8 fl per Stück kommt. Ferner malt ein Maler Ölgemälde zu Hause in der Stadt; es kommt ihn dort das Leben ziemlich teuer; werden die Stationen auf die Wand gemalt, so wird er drin verpflegt, das kommt schon nicht teuer, dem Maler ist damit sehr viel gedient.
Die hölzernen Kreuze werden nicht in die Mauer hineingeschlagen wie ein Nagel, sondern sie kommen ober dem Bilde in eine kleine verzierte Nische.
Bezüglich der Bestellung auf eine Zeitungsannonce hin sagt Plattner, dass, wenn es sich um Kahlgemälde (?) handelt, selten etwas Ordentliches geboten wird. Es seien in der Regel Arbeiten von so Winkelmalern, die ihre Sache eben sonst nicht an den Mann bringen. Da würde er ihnen noch raten Öldruckbilder zu nehmen, obwohl die sich in einer schönen romanischer Kirche gewiss sehr armselig ausnehmen, obwohl die sich in einer schönen romanischen Kirche gewiss sehr pauvere (= armselig) ausnehmen. Er hat mir versprochen, sich zu erkundigen, was denn ein Maler verlangen würde, für die Stationen. Warten wir also zu, um zu hören, welchen Bescheid er uns gibt.
So viel ich gemerkt habe, glaubt er per Stück 40-50 fl.
Was die Apostelzeichen betrifft, so sagt er, sie seien so gestellt, dass sie die Malerei bedeutend stören. Unter den Pfeilerhaltern wurde bei einer Kirchenverzierung ein Fries durch die ganze Kirche gezogen. Zwischen diesem Fries und dem Gesimse unter den Fenstern wäre ihr Platz. Sonst muss man doch nur Verzierungen hineinmachen.
An dieser Schwierigkeit sagt Plattner, sieht man, wie es geht, wenn man ohne einheitlichen Plan arbeitet. Entweder zerstören oder verpfuschen ist die notwendige Folge. Fallen die anderen Schwierigkeiten, so glaube ich, wird sich diese mit der Kg. kränzen irgendwie schon beilegen lassen.
Das Zeug zu Vorhängen ist hier den 20. März abgeschickt worden. Sie werden es hoffentlich jetzt erhalten haben.
Grüße an H. Kooperator und andere Hochwürdige
Ihr Ergebenster Josef Mischí
f) Euer Hochwürden! Ihr wertes Schreiben erhielt ich am 12.d.M. Den Artikel für die I.St. habe ich nicht eingegeben, weil bereits H. Urban berichtet hat. Bei Geschwister Lindner habe ich mich erkundigt, es heißt, die betreffende Bestellung sei schon am 3.d.M. abgesandt worden. Sie würden sie bereits haben; widrigenfalls bitte ich in St. Lorenzen nachfragen zu lassen.
Betreffs der Stationen fragte ich mich bei August Pezzei an. Er würde die Stationen malen, und zwar nach Führich wie die beiliegenden Mahlstiche (die Sie gelegentlich herausschicken wollen), aber er verlangte per Stück 70 fl ohne Rahmen. (Plattner lobt ihm sehr). Da ich mir dachte, Sie würden diesen Antrag wohl kaum annehmen, so ging ich heute zum Maler Plattner, dessen Gemälde Sie im hiesigen Gottesacker gesehen und bewundert haben, um mir Rat zu holen. Er hatte bereits den Artikel in den I.K. gelesen und ist für die nach dem Plane seines Intimus v. Stadl aufgeführte Kirche ganz begeistert. Er predigte mir lange vor. Bezüglich der Stationen sagte er mir folgendes:
1) Sie sollen sich beim Architekten v. Stadl anfragen bezüglich der Größe und Verteilung der Stationen. Er könne es am richtigsten bestimmen und es sei sowohl Verteilung als Größe für die Harmonie mit dem Plane durchaus nicht gleichgültig. Im Falle würde Plattner sich bereit erklären, v. Stadl in diesem Sinne zu schreiben.
2) Sollen sie die Stationen auf die Wand malen lassen; es sei dies viel stilgerechter als aufgehängte Bilder und es kommen auch Malfeiler als Gemälde auf Leinwand (außer sie wollten sich mit einfachen Öldruckbildern begnügen, was aber für einen solchen Bau zu pauvre (armselig) sei.
Nach seiner Ansicht würden diese Gemälde auf Wachstempra ausgeführt werden müssen, damit sie jeder Feuchtigkeit widerstehen. Er meint, das Stück würde Ihnen beiläufig auf 30-40 fl kommen. Ein gewisser Schatz, sagt er, ein Maler in Thaur, würde schon um diesen Preis hereinkommen und er male recht gut. Er hat gerade einen Kreuzweg für die Franziskanerkirche in Schwaz nach Führich gemalt.
Würden Sie aber auf diesen Vorschlag des Plattner eingehen, dann meine ich, sollte man auch mit Pernlochner sprechen, der das Altarblatt von Kampill gemalt hat. Er ist gegenwärtig in Jerusalem, wird aber im Jänner oder Februar kommen. Plattner sagte mir von ihm, er sei ein Genie, ein Talent wie man nur wenige findet; nur habe er sich zu früh der Schule entzogen. Dass er die Stationen, wenn er sie überhaupt übernehmen könnte, um den möglichst niedrigsten Preis malen würde, das können Sie versichert sein. Wenn Sie aber diesen Weg nicht einschlagen wollen und Sie sich mit Ölfarbendruck begnügen müssten, dann ist es nach meiner Ansicht (denn mit Malern lässt sich über dieses Thema gar nicht sprechen) immer besser Sie bestellen die Stationen bei Sartori in Wien nach Führich als hier bei Uffenheimer, so heißt nämlich der “getaufte Jude”.
Jedenfalls würde ich aber früher mit v. Stadl in der obgenannten Richtung Aussprache Pflegen. Wenn Sie nähere Aufschlüsse von mir wünschen, so bitte ich nur zu schreiben, berichten Sie doch etwas Näheres über das Glasgemälde, wie es denn anspricht. Einen Gruß an H. Costner und den Klerus in Ladinien. Glückliche Feiertage und ein recht glückliches Neujahr.
In tiefster Hochachtung Euer Hochw. Gehorsamster Josef Mischí.
Gerarchia: A-1059/017
Lëtres da Desproch
Euer Hochwürden!
a) Gestern abend war ich bei Maler Plattner, um nicht mit ihm bezüglich des Dekorationsplanes der Kirche von Wengen zu besprechen. Es freut ihr sehr, dass Sie den Rat v. Stadls so zu Herzen genommen haben. Plattner erklärt sich bereit, den Plan zu machen und zwar den finanziellen Verhältnissen der Gemeinde entsprechend, d.h. nicht zu reich, sondern so einfach als möglich, damit die Malerei, wenn es dazu kommen sollte, nicht zu viel koste. Über das Thema kann er wohl selbst noch nichts sagen, er gab nur einige allgemeine Winke. Wenn der Kirchenpatron eine bedeutende kirchenhistorische Größe ist, so könne man sein Leben als Ausgangspunkt nehmen und es mit irgendwelchen kath. Wahrheiten verbinden darstellen. Legende beim hl. Genesius wird sich das aber nicht bewerkstelligen lassen u. darum wird er wahrscheinlich irgendeinen dogmatischen Grundgedanken anfronen und ausführen. Dass gerade die Komposition bei Plattner die starke Seite ist weiß jeder, der ihn kennt, dass er gerade dogmatische Wahrheiten echt kirchlich und im Geiste der heiligen Schrift durchführt, ist ebenfalls bekannt. Darum glaube ich schon im voraus Ihnen und den Wengenern gratulieren zu dürfen, so wenig zweifle ich an dem vollständigen Gelingen des Planes.
Gestern bewunderte ich wieder eine seiner Kompositionen. Er hat die Kirche von Dornbirn (Vorarlberg) zum Malen übernommen, Kirchenpatron der heilige Martin. Ein großes Bild stellt die Gründung der Kirche am Pfingstfeste dar, rings herum einzelne Momente aus dem Leben des heiligen Martin geben seine apostolischen Arbeiten an, wie er in seiner Sphäre die Kirche Christi ausgebreitet hat: Anfang und Schluss dieses (Bildes) Zyklus bilden seine Aufnahme als … zum Priester und sein Scheiden aus dieser Welt den Priester an der Seite. Das einzelne Bild und das große Ganze macht einen echt kirchlichen Eindruck.
Es ist mit seinen Vorarbeiten für Dornburn so ziemlich festig, er würde also den Plan für Wengen im Laufe des Winters “wenn ich abends nicht zum Malen, wohl aber zum Kopfen aufgelegt bin” machen. Dazu braucht er den Plan der Kirche, Angabe der Kirchenpatrone auf den einzelnen Altären und dazu
a) wäre es ihm sehr lieb, wenn Sie sich aussprechen würden, was Sie für ein Thema wünschen. Gefällt es ihm, nimmt er es, wenn nicht, negligiert (= außer acht lassen) er es einfach. Man kann ihn übrigens auch wenn der Plan fertig ist, noch verschiedenes kritisieren und aussetzen. “Kritik und Gegner schaden nicht sondern nützen, indem der Plan klarer und durchdachter wird”. Nachdem der Plan fertig ist, wird er entweder selbst denselben dem H. von Stadl vorlegen oder Sie können es tun, so sagt er selbst.
Die Hauptsache kommt erst jetzt. Bezüglich der Bezahlung sagt er, er würde sicher nicht indiskret sein. Von diesem seinem Ausdruck nahm ich Anlass, die finanziellen Verhältnisse in Wengen zu schildern. Nachher sagte er, verlange gar nichts, der Künstler dürfe nicht bloß des Geldes wegen wirken, zumal da die Kirche sehr arm sei. Das Resultat wird also sein: er macht Ihnen den Plan und sie geben ihm ein Trinkgeld. Ich glaube also, Sie sollen diese Gelegenheit benützen, Sie bekommen sicher etwas Gelungenes.
b) Euer Hochwürden! Hiemit übersende ich Ihnen den Dekorationsplan Ihrer Kirche. Plattner hat nur die zwei beiliegenden Skizzen gemacht, damit Sie sich eine Vorstellung des Gemäldes machen. Sie wollen aber durchaus nicht als Kompositionen betrachtet sein; bei den übrigen Bildern, sagt Plattner, sei die Sache so einfach, dass es überflüssig sei, eine Skizze zu machen. Wer es malt, muss ohnedies sich eine einheitliche Komposition machen. Der Plan sagt Plattner, sei von jenen, denen er einiges mitgeteilt, sehr gut aufgenommen worden; er glaubt, der Plan passe für die Kirche, denn große, dramatische, figurenreiche Gemälde vertragen die Kirchen romanischen Stiles nicht, so würde dadurch die Architekturik (sic !) der Kirche zerstört.
Bezüglich der Ausführung habe ich wenig mit ihm gesprochen nur das hat er mir gesagt, dass ein Maler mit einem Dekorationsmaler in einem Jahr das ganze Gemälde dekoriere. Das ganze Gewölbe hätte beiläufig 24 Figuren, nun aber male er in einem Sommer auch 30, wenn er sie im vorhergehenden Winter komponiert hat. Bezüglich der Stationen habe ich noch nichts gesprochen, ich will aber schon sprechen, wenn Sie mit dem Plan einverstanden sind, dass er davon nichts Bedeutendes mehr zu ändern hat. Früher lässt sich mit Plattner schwer reden.
Prüfen Sie also mit aller Andacht den Plan, und wenn Ihnen etwas nicht passen sollte, so würden Sie ingeniert mit der Sprache heraus (kommen). Dem Plattner wäre es sogar lieb, wenn Sie sich vom Ing. von Stadl ein Urteil erbeten würden. ./. Nachdem der Plan von allen Seiten bewilligt, bestätigt, korrigiert sein wird, werde ich mit Plattner bezüglich der Stationen reden. ./. “Ein großartiger Gedanke durch verhältnismäßig geringe figuralische Mittel zum Ausdruck gebracht”, so das Urteil Plattners über den Plan. Schließlich füge ich den Wunsch bei, dass der Plan Ihnen entspreche und dass Sie mit der Zeit denselben auch ausführen können. Die Wengener würden dann ein in jeder Beziehung vollendetes Prachtgebäude haben.
Bildhauer Trenkwalder kam einmal zu Plattner, als ich dort war und wir über den Plan sprachen. Beide Künstler betrachteten den Plan de Kirche und bemerkten wenn die Gemälde ober den Seitenaltären ausgeführt werden sollten, so müssen sie Seitenaltäre ganz einfach sein und anstatt eines Altarbildes eine Statue angebracht werden. Trenkwalder ersucht mich, ich möchte ihn bei Ihnen für den Fall rekommandieren (= empfehlen). Sie könnten sich vielleicht auch diesbezüglich mit von Stadl ins Einvernehmen setzen.
Wir haben dieses Tage das Semester geschlossen und haben nun Ferien bis Mitte April. Echt akademisch! Ladinien floriert! Alles ist gesund und wohlauf. Seit Anfang der Fasten (Zeit) treiben die meisten … Tiroler Reichsratabgeordneten Abstinenz-Politik, sie sind alle hier Kernbach ausgenommen. Dejaco grüßt Sie. Es grüßt Sie und Hernn Costner. Ihr … Josef Mischi
c) Euer Hochwürden! Kaum hatte ich Ihr Schreiben erhalten, so begab ich mich zu Plattner. Die einzige Schwierigkeit, die hiedurch für die Durchführung des Planes aufgetaucht ist, besteht in der Verteilung der Stationen.
Es wäre sehr leicht, noch zwei Vorstellungen ausfindig zu machen, um die Symmetrie in den Kapellen herzustellen (Jesus am Ölberg und Helena mit dem Kreuz), aber es fragt sich, ob die Apostelzeichen zwischen den Stationen wohl nicht eine zu prädominierende Stellung einnehmen. H. Plattner würde sehnlich wünschen, dass man ihm eine Zeichnung schicke, aus welcher er genau die Verteilung, Größe und Sage der Apostelkreuze entnehmen könnte. Der Maurer Joachim kommt am 31.d.M. nach Innsbruck. Sind sie so gütig, durch ihn mir dieses zuzuschicken. Vielleicht wäre Joachim auch in Ermangelung eines Besseren imstande die Sache abzumessen und zu Papier zu bringen. Es handelt sich lediglich um den Umfang der Kreise, ihre Entfernung voneinander und vom Boden der Kirche. Das Bild an der Epistelseite im Presbyterium erleidet eine geringe Abänderung. Über das zweite Feld im Langhause … kann man sich leicht verständigen. Das Zeug für die Vorhänge werden Sie hoffentlich bekommen haben. Ich ging zu Fräulein Maria Linders, sie zeigte mir mehrere Sorten, ich wählte das nach meiner Ansicht Tauglichste und ersuchte sie, alles zu besorgen, wozu sie sich freundlich erbot!
Ob ich es getroffen habe oder nicht, weiß ich nicht. Bezüglich einer Zeichnung der Kanzel glaubt Plattner, man solle sich an Trenkwalder wenden. Sobald Sie entschlossen sind, bitte ich bloß zu schreiben, ich werde dann schon unterhandeln.
Das jüngste Kind des H. Dejako ist schwer krank. Früh glaubten wir, es werde sterben, doch es hat sich wieder ein bisschen erholt.
… der S. St. wurde heute wegen einer Ehrenbeleidigung des Ministers Krehmair vor Gericht zitiert. Ich habe noch nichts gehört, was sich herausgestellt habe. Grüße an H. Costner. Tanti saluti da D. Deiaco.
In liebster Hochachtung Ihr Ergebenster Josef Mischí.
d) Ev. Hochwürden! Sie werden schon lange auf einen Brief warten. Plattner war einige Wochen in Dornbirn, um den Kontakt der Malerei abzuschließen, er kam erst vor einigen Tagen, daher meine Zögerung erklärlich. Bezüglich der Stationen hat er mit zwei Malern gesprochen, die gegenwärtig in Zams arbeiten; sie haben nicht direkt ihm einen Preis gemacht, aber wie er sagt, würden sie 50 – 60 fl per Stück verlangen und die Verpflegung. Auch dem Plattner scheint der Preis hoch. Heuer würden sie nicht Zeit haben, sondern erst das nächste Jahr.
Jetzt will ich Ihnen noch meine Privatansicht mitteilen. Diese zwei Maler sind, wenigstens einer, Lehrlinge Plattners, stehen also unter seiner Ägide, daher ist es begreiflich, dass er sie empfiehlt. Er will damit nicht gesagt haben, dass sie schlecht malen – ich kenne ihre Leistungen nicht – aber nach meiner Ansicht ist die Garantie eine zu geringe. Maler Hellweger empfahl den Klosterfrauen am Hirschanger den Agostin Pezzei für die Stationen. Pezzei malte sie, war sehr teuer, die Arbeit fiel schlecht aus. Die Klosterfrauen mussten sie haben, denn Hellweger sagte, begreiflicherweise, sie seien schön. Der richtige Mann wäre Pernlochner, aber da entsteht eine weitere Schwierigkeit. Ich machte diesen Vorschlag dem Plattner, er sagte mir aber darauf ganz aufrichtig und trocken, das sehe er nicht gerne, denn es sei nicht angenehm, einen Plan auskopfen und einem anderen die Früchte eredlen lassen.
Perathoner sei ganz tüchtig, aber wenn Pernlochner anfängt, dann hätte er keinen Einfluss mehr. Mir hat Plattner dies gesagt, folglich kann ich mit Pernlochner unmöglich verhandeln: wenn Sie einen Modus ausfindig machen, den Plattner in schöner Manier zu umgehen, so könnten Sie Pernlochner noch anfragen. Adresse Pernlochner Maler, Thaur (bei Hall). Sie begreifen nicht, wie unlieb es mir ist, dass solche Schwierigkeiten entstehen, dass sich der ganze Plan zu zerschlagen scheint. Die Drahtmatratze werden Sie erhalten haben, Steiner entschuldigt sich, dass sie per Nachnahme geschickt wurde, es sei ohne sein Vorwissen geschehen.
Die politische Lage ist eine sehr merkwürdige. Der konservative Klub beschloss die Nichtbeschickung. Nachträglich will sich Grenter nicht fügen.
Grenter steht aber nicht allein, mit ihm geht der Verein “Innsbrucks Umgebung” und Landeshauptmann nebst mehreren Größen. Diese Herrn atmen Regierungsluft, denn wie ich heute höre, sind sie: Grenter und Landeshauptmann wöchentllich einmal bei Statthalter eingeladen sapienti sat.
Grüße von Dejaco – Leben Sie wohl – Ich Ergebenster Josef Mischí.
Wegen des Trinkgeldes ist schwer etwas zu sagen. Plattner nimmt alles. Die Arbeit ist mit 20 fl gezahlt, wenn Sie ihm mehr geben, wird er es auch nehmen.
Anfang der nächsten Woche geht er nach Dornbirn ab.
e) Euer Hochwürden! Gestern war ich bei Maler Plattner. Was er mir auf Ihr Schreiben antwortete, ist folgendes. Durch die Feuchtigkeit leiden die Gemälde sicher, nicht einmal gewöhnliche Freskomalerei noch viel weniger Tempera-Malerei. Die Gemälde vom Plattner im hiesigen Friedhof (Kapelle) sind oft so mit Eis überzogen, dass man das Gemälde kaum mehr sieht und doch sind die Gemälde, wenn das Eis wegschmilzt wieder ganz frisch und leiden nicht im mindesten.
Dass Tempera- oder Freskomalerei teurer sei als Ölmalerei ist auch ganz unwichtig. Farbe und Arbeit ist bei beiden gleich, bei Ölgemälden kommt dann noch dazu die Leinwand 4 fl per Stück, der blinde Rahmen 1 fl, der eigentliche Rahmen, der immerhin auf 8 fl per Stück kommt. Ferner malt ein Maler Ölgemälde zu Hause in der Stadt; es kommt ihn dort das Leben ziemlich teuer; werden die Stationen auf die Wand gemalt, so wird er drin verpflegt, das kommt schon nicht teuer, dem Maler ist damit sehr viel gedient.
Die hölzernen Kreuze werden nicht in die Mauer hineingeschlagen wie ein Nagel, sondern sie kommen ober dem Bilde in eine kleine verzierte Nische.
Bezüglich der Bestellung auf eine Zeitungsannonce hin sagt Plattner, dass, wenn es sich um Kahlgemälde (?) handelt, selten etwas Ordentliches geboten wird. Es seien in der Regel Arbeiten von so Winkelmalern, die ihre Sache eben sonst nicht an den Mann bringen. Da würde er ihnen noch raten Öldruckbilder zu nehmen, obwohl die sich in einer schönen romanischer Kirche gewiss sehr armselig ausnehmen, obwohl die sich in einer schönen romanischen Kirche gewiss sehr pauvere (= armselig) ausnehmen. Er hat mir versprochen, sich zu erkundigen, was denn ein Maler verlangen würde, für die Stationen. Warten wir also zu, um zu hören, welchen Bescheid er uns gibt.
So viel ich gemerkt habe, glaubt er per Stück 40-50 fl.
Was die Apostelzeichen betrifft, so sagt er, sie seien so gestellt, dass sie die Malerei bedeutend stören. Unter den Pfeilerhaltern wurde bei einer Kirchenverzierung ein Fries durch die ganze Kirche gezogen. Zwischen diesem Fries und dem Gesimse unter den Fenstern wäre ihr Platz. Sonst muss man doch nur Verzierungen hineinmachen.
An dieser Schwierigkeit sagt Plattner, sieht man, wie es geht, wenn man ohne einheitlichen Plan arbeitet. Entweder zerstören oder verpfuschen ist die notwendige Folge. Fallen die anderen Schwierigkeiten, so glaube ich, wird sich diese mit der Kg. kränzen irgendwie schon beilegen lassen.
Das Zeug zu Vorhängen ist hier den 20. März abgeschickt worden. Sie werden es hoffentlich jetzt erhalten haben.
Grüße an H. Kooperator und andere Hochwürdige
Ihr Ergebenster Josef Mischí
f) Euer Hochwürden! Ihr wertes Schreiben erhielt ich am 12.d.M. Den Artikel für die I.St. habe ich nicht eingegeben, weil bereits H. Urban berichtet hat. Bei Geschwister Lindner habe ich mich erkundigt, es heißt, die betreffende Bestellung sei schon am 3.d.M. abgesandt worden. Sie würden sie bereits haben; widrigenfalls bitte ich in St. Lorenzen nachfragen zu lassen.
Betreffs der Stationen fragte ich mich bei August Pezzei an. Er würde die Stationen malen, und zwar nach Führich wie die beiliegenden Mahlstiche (die Sie gelegentlich herausschicken wollen), aber er verlangte per Stück 70 fl ohne Rahmen. (Plattner lobt ihm sehr). Da ich mir dachte, Sie würden diesen Antrag wohl kaum annehmen, so ging ich heute zum Maler Plattner, dessen Gemälde Sie im hiesigen Gottesacker gesehen und bewundert haben, um mir Rat zu holen. Er hatte bereits den Artikel in den I.K. gelesen und ist für die nach dem Plane seines Intimus v. Stadl aufgeführte Kirche ganz begeistert. Er predigte mir lange vor. Bezüglich der Stationen sagte er mir folgendes:
1) Sie sollen sich beim Architekten v. Stadl anfragen bezüglich der Größe und Verteilung der Stationen. Er könne es am richtigsten bestimmen und es sei sowohl Verteilung als Größe für die Harmonie mit dem Plane durchaus nicht gleichgültig. Im Falle würde Plattner sich bereit erklären, v. Stadl in diesem Sinne zu schreiben.
2) Sollen sie die Stationen auf die Wand malen lassen; es sei dies viel stilgerechter als aufgehängte Bilder und es kommen auch Malfeiler als Gemälde auf Leinwand (außer sie wollten sich mit einfachen Öldruckbildern begnügen, was aber für einen solchen Bau zu pauvre (armselig) sei.
Nach seiner Ansicht würden diese Gemälde auf Wachstempra ausgeführt werden müssen, damit sie jeder Feuchtigkeit widerstehen. Er meint, das Stück würde Ihnen beiläufig auf 30-40 fl kommen. Ein gewisser Schatz, sagt er, ein Maler in Thaur, würde schon um diesen Preis hereinkommen und er male recht gut. Er hat gerade einen Kreuzweg für die Franziskanerkirche in Schwaz nach Führich gemalt.
Würden Sie aber auf diesen Vorschlag des Plattner eingehen, dann meine ich, sollte man auch mit Pernlochner sprechen, der das Altarblatt von Kampill gemalt hat. Er ist gegenwärtig in Jerusalem, wird aber im Jänner oder Februar kommen. Plattner sagte mir von ihm, er sei ein Genie, ein Talent wie man nur wenige findet; nur habe er sich zu früh der Schule entzogen. Dass er die Stationen, wenn er sie überhaupt übernehmen könnte, um den möglichst niedrigsten Preis malen würde, das können Sie versichert sein. Wenn Sie aber diesen Weg nicht einschlagen wollen und Sie sich mit Ölfarbendruck begnügen müssten, dann ist es nach meiner Ansicht (denn mit Malern lässt sich über dieses Thema gar nicht sprechen) immer besser Sie bestellen die Stationen bei Sartori in Wien nach Führich als hier bei Uffenheimer, so heißt nämlich der “getaufte Jude”.
Jedenfalls würde ich aber früher mit v. Stadl in der obgenannten Richtung Aussprache Pflegen. Wenn Sie nähere Aufschlüsse von mir wünschen, so bitte ich nur zu schreiben, berichten Sie doch etwas Näheres über das Glasgemälde, wie es denn anspricht. Einen Gruß an H. Costner und den Klerus in Ladinien. Glückliche Feiertage und ein recht glückliches Neujahr.
In tiefster Hochachtung Euer Hochw. Gehorsamster Josef Mischí.
Gerarchia: A-1059/017
Data: 1875
